Verlassene Autowerkstatt & Schloss Dammsmühle

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Autowerkstatt

Am zweiten Tag des Bruder-Schwester-Urban-Exploration-Wochenendes haben wir uns ins Auto gesetzt und sind raus aus Berlin gefahren – alles mit dem Auto, weil ich gerade so ein paar Gesundheits-Issues habe und nicht fit genug für lange Laufstrecken oder langes Sitzen in der Bahn bin. Aber der Arzt meinte, ich solle spazieren gehen, da ist das ein super Kompromiss. Bisschen fahren, paar Schritte laufen, bisschen fahren… alles im Schneckentempo für Omis ;-). Zuerst haben wir eine alte Autowerkstatt entdeckt, die wirklich komplett zugewuchert war. Eine Machete wäre hier hilfreich gewesen… Als wir uns mit zerkratzten Armen und Beinen endlich durch die Brombeerhecke gekämpft haben, haben wir drei komplette Autos und viele viele Autoteile oder halbe Oldtimer gefunden. Dort wohnt auch der ein oder andere Trabant, die Fotos sind jedoch leider nicht so gut geworden, weshalb ich sie rausgelassen habe. Im Haus selbst lag eine Zeitung auf dem Boden, die auf den 28. Juli 1968 datiert war. Genau so sahen auch die Möbel und Autowracks aus – 50er und 60er Jahre Stil. Ich frage mich, wieso dieser Ort so verlassen daliegt. Es wirkte alles so, als habe man mitten in der Arbeit aufgehört, ein paar Sachen gepackt und sei einfach gegangen. Die Geschichte dahinter interessiert mich.. vielleicht recherchier ich da noch einmal ein bisschen.

 

 

Schloss Dammsmühle

Nach dem Werkstatt-Ausflug sind wir zum Schloss Dammsmühle gefahren. Zuerst diente der Ort als Heimat für eine Mühle (16.Jh), bis schließlich ein kleines Jagdhaus errichtet wurde. Als schließlich Peter Friedrich Damm – ein Sattler, der die preußische Armee versorgte – den Grund kaufte, dachte er sich: Wieso sollten nur Könige und Herzoge Schlösser haben? Also baute er sich selbst ein Schloss, das bis heute steht und viel Geschichte miterlebt hat.

Als der Kaufmann starb, hinterließ er keinen Erben. Adolf F. Wollank dachte sich Ende des 19. Jahrhunderts: Och, Schloss – da hätte ich Bock! Die Familie ließ das Schloss vergrößern und baute noch weitere Gebäude auf den Grund. Ein paar Parties und Jahre später kaufte Hermann Zirkel das Schloss, so richtig Bock hatte er jedoch nicht, weshalb er es knapp zehn Jahre später an Harry Goodwin Hart verscherbelte. Dieser war jedoch Jude, weshalb er sich beim Aufstieg der Nazis in die Schweiz absetzen musste. Das Schloss musste er gegen Zwang weit unter Wert an das Reich verkaufen.

Niemand geringeres als Heinrich Himmler schnappte sich das Schloss und machte daraus eine Mischung aus Stützpunkt und Party-Laube. Besonders makaber: Er hatte immer so um die 20 oder 25 Häftlinge des KZ Sachsenhausen dort, die das Haus als „Bedienstete“ in Stand hielten und ihn bedienten und unterhielten, wenn er eine Gesellschaft gab.

Gegen Kriegsende wurde das Schloss wieder ein Truppen-Hauptquartier, bis es erst in die Hände der Roten Armee und schließlich in die der Stasi fiel. Sie nutzten es als Trainings- und Erholungszentrum. Dabei wurden wieder neue kleine Satelliten-Gebäude auf dem Gelände errichtet, die man betreten und sich anschauen kann. Spoiler: Die übliche Mischung aus Verfall und Zeichen davon, dass Obdachlose hier Unterschlupf gesucht haben.

1997 erwirkten die Erben des Juden Hart, dass sie das Schloss zurückerhielten, verkauften es aber direkt. Es wechselte noch öfters den Besitzer und wurde in den letzten Jahrzehnten immer mal wieder als Veranstaltungsgelände für Konzerte und Co. genutzt, verfällt jetzt jedoch ungehindert seit vielen Jahren.

Das Schlossgebäude selbst kann man nicht betreten. Als wir da waren, kam gerade der Hausmeister raus, der freundlich gegrüßt und uns in Ruhe gelassen hat. Hätten wir Interesse gehabt, hätten wir ihn sicher fragen können, ob wir mal rein dürfen. Auf anderen Fotoblogs habe ich aber gelesen, dass es innen wirklich gar nichts zu sehen gibt, deshalb haben wir es gelassen. Es ist ein schönes Gelände, um im Oma-Style bisschen spazieren zu gehen, frische Luft zu schnappen und ein paar interessante Dinge zu entdecken.

 


Coelingrau

Coelingrau

Freie Journalistin bei der Lügenpresse | Politisch | schreibt Geschichten | ist auch noch Illustratorin | war mal Biologin | hat so'n Batman-Ding am Laufen
http://www.coelingrau.de

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